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Warum ein Gefühl zu benennen dein Gehirn beruhigt

5 Min. LesezeitHeiko Schwaninger

„Name it to tame it“: Eine bekannte Hirnstudie zeigt, dass schon das Benennen einer Emotion die Alarmzentrale im Gehirn herunterfährt. Die Wissenschaft hinter einem einfachen Werkzeug.

Es klingt fast zu simpel: Du bist aufgewühlt, benennst innerlich „Das ist Angst“ oder „Das ist Ärger“ – und wirst ruhiger. Kein Wegatmen, kein Positiv-Denken, nur ein Wort. Und trotzdem passiert im Gehirn dabei etwas Messbares.

Die Studie: Feelings into Words

2007 untersuchte der Neurowissenschaftler Matthew Lieberman an der UCLA, was beim Benennen von Gefühlen im Gehirn geschieht. Probanden sahen Gesichter mit starken Emotionen. Ordneten sie dem Ausdruck ein Wort zu („wütend“, „ängstlich“), sank die Aktivität in der Amygdala – der Alarmzentrale, die für Stress- und Angstreaktionen zuständig ist. Gleichzeitig wurde der rechte präfrontale Kortex aktiver, der Bereich für bewusste Steuerung.

Ein Gefühl in Worte zu fassen ist, als legtest du die Hand auf ein zitterndes Instrument: Die Schwingung wird nicht verboten – sie wird gehalten.

Fachlich heißt das Affect Labeling. Der Effekt: Das Gefühl bleibt, aber es reißt dich nicht mehr mit. Aus „Ich bin wütend“ (verschmolzen) wird „Ich bemerke Wut“ (mit Abstand).

Und die 90 Sekunden?

Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor beschreibt eine verwandte Beobachtung: Die körperliche Welle einer Emotion – die Hormone, das Herzklopfen – ebbt nach etwa 90 Sekunden ab, wenn wir sie nicht ständig mit Gedanken neu befeuern. Wichtig zur Ehrlichkeit: Das ist eine gut nachvollziehbare Faustregel aus ihrem Buch, kein exakt vermessener Laborwert. Als Orientierung ist sie Gold wert: Der erste Sturm ist kürzer, als er sich anfühlt.

Das Werkzeug in einem Satz

Wenn dich das nächste Mal ein Gefühl packt, benenne es leise und präzise: „Da ist Angst. Da ist Enttäuschung.“ Du unterbrichst damit den Automatismus und gibst dem bewussten Teil deines Gehirns die Führung zurück. Mehr dazu in der Vertiefung „Emotionsregulation“.

Bereit, es selbst zu erleben?

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